Auge in Auge mit Serena Williams

Wenige Tage nach ihrer Heimreise von Wimbledon blickt Anna-Lena Friedsam glücklich auf das Turnier zurück. Es reichte bis in die dritte Runde – ihre zweitbeste Leistung in diesem Jahr nach dem Erreichen des Achtelfinales bei den Australian Open. Und so strahlt das junge Tennistalent über das ganze Gesicht: „Ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden, denn ich habe drei sehr gute Matches abgeliefert. Und bei einem so geschichtsträchtigen Grand-Slam-Turnier wie Wimbledon antreten zu dürfen, ist ein ganz besonderer Moment.“ Nun gönnt sich die Tennisspielerin erst mal ein paar Tage Ruhe, bevor sie wieder mit ihrem regulären Trainingsplan beginnt. Denn der hat es ganz schön in sich! Zweimal täglich steht sie für jeweils 1,5 Stunden auf dem Court und arbeitet hart daran, ihre Leistungen kontinuierlich zu verbessern. Zusätzlich widmet sie noch einmal 90 Minuten dem Konditionstraining, um ihre Fitness auf Höchstniveau zu halten. Wenn es an die Vorbereitungen für das nächste Turnier geht, wechselt Anna-Lena dann zu individuellen Trainingseinheiten. Dadurch kann sie sich optimal auf die bevorstehenden Wettkämpfe gegen die Weltklasse einstellen.

Wer hätte vor knapp 16 Jahren gedacht, dass es Anna-Lena Friedsam einmal unter die Top 60 der weltbesten Tennisspielerinnen schaffen würde? Vielleicht war es die Intuition ihrer Mutter, die damals entschied, dass die sportbegeisterte Anna-Lena mit sechs Jahren zum Tennis wechseln solle. Eine goldrichtige Entscheidung, denn das kleine Mädchen zeigte schnell, welches Talent in ihr steckt. Während ihrer Schulzeit auf einem Sportgymnasium bestritt sie schon mit 14 Jahren internationale Wettkämpfe – kein Wunder also, dass sich ihr nach Abschluss der 10. Klasse und somit mittleren Reife die Frage stellte: Schlage ich den Weg Richtung Profisport oder Abitur ein? „Ich habe lange mit meinen Eltern und meinem Trainer über das Für und Wider gesprochen. Uns allen war klar, dass der Weg hin zur Profisportlerin mit viel Arbeit und Risiko verbunden ist. Doch alle standen hinter mir und glaubten an mich – so entschied ich mich, in die Fußstapfen meiner Vorbilder zu treten“, blickt Anna-Lena auf diese stürmische Zeit zurück. Parallel begann sie ein Fernstudium, um ihr Abitur nachzuholen. Doch längst stand nicht mehr die Schule, sondern der Sport im Mittelpunkt ihres Lebens, sodass sie sich hundertprozentig auf ihre Leidenschaft fokussierte und das Fernstudium erst einmal pausierte.

Seit drei Jahren gehört Anna-Lena Friedsam zum Porsche Talent Team. Auch wenn die Sportlerinnen nicht gemeinsam trainieren, verbindet sie viel – nämlich die Leidenschaft zum Tennis. „Man entwickelt ein Gemeinschaftsgefühl, was im Tennis nicht selbstverständlich ist, da es eine Einzelsportart ist“, beschreibt sie die Stimmung im Team. „Doch wenn es an die Turniere geht und einem die Kollegin auf dem Platz gegenübersteht, sind wir wieder im Einzelkämpfermodus. Da wird der anderen kein Punkt geschenkt“, erklärt sie lachend.

Wenn sich das ganze Leben um den Sport dreht, können Verletzungen einen Spieler ganz schön runterziehen – das musste auch Anna-Lena am eigenen Leib erfahren, als sie sich 2015 einen doppelten Bänderriss beim Spiel gegen Klára Koukalová zuzog. „Das war ziemlich extrem“, erinnert sich die 22-Jährige an diesen Tag zurück. „Die Turniere waren festgelegt, die US Open standen kurz bevor und auf einmal musste ich neun Wochen pausieren. Natürlich habe ich mir erst mal viele Gedanken gemacht. Es galt immerhin, meine Weltranglistenpunkte zu verteidigen. Doch nach zwei Wochen habe ich mich daran gewöhnt, mich entspannt und gelernt, für den Moment zu leben – eine wichtige Einstellung, die einem im Sport ungemein hilft. Als ich dann wieder trainieren durfte, war ich hochmotiviert, denn ich wollte meinen Konkurrentinnen zeigen, dass ich wieder zurück bin.“

Seit einiger Zeit steht Anna-Lena nun im Rampenlicht. Sie zählt zu den neuen deutschen Tennishoffnungen – nicht nur in ihrem Heimatort Oberdürenbach, wo sie beim Einkauf im Supermarkt oder Bäcker schon mal von Nachbarn und Bekannten auf ihre Erfolge angesprochen wird. Trotz allem ist sie bodenständig geblieben, gibt sich in Interviews mit Journalisten authentisch und genießt ihre Freizeit am liebsten mit Familie und Freunden. Sie hat schon vieles erreicht, wovon andere träumen. Ihr Ziel ist es, die Weltrangliste weiter emporzuklettern und ein weiteres Mal auf die Tennislegende Serena Williams zu treffen: „Zweimal stand ich ihr schon gegenüber, habe jedes Mal verloren. Ich hoffe, dass sie noch ein paar Jahre weiterspielt und wir uns dann auf Augenhöhe in einem spannenden Match begegnen.“

 

 

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